„Der entfesselte Pegasus - Literatur trotz(t) Markt“ vom 4. Mai - 1. Juni 2011
Kaum fühlt das Tier des Meisters sichre Hand,
So knirscht es in des Zügels Band
Und steigt, und Blitze sprühn aus den beseelten Blicken;
Nicht mehr das vor'ge Wesen, königlich,
Ein Geist, ein Gott, erhebt es sich.
Entrollt mit einemmal in Sturmes Wehen
Der Schwingen Pracht, schießt brausend himmelan,
Und eh der Blick ihm folgen kann,
Entschwebt es zu den blauen Höhen.
Aus: F. Schiller, „Pegasus im Joche“
Grußwort des Schirmherrn
Für die Regierung des Freistaates Sachsen gehört die Förderung der Wissenschaften und Künste zu ihren vornehmsten Aufgaben. Deshalb übernehme ich gern die Schirmherrschaft über den 20. Sächsischen Literaturfrühling. Die Veranstalter dieses traditionellen Wortfestivals repräsentieren immerhin jene Gruppe von Schriftstellern, die sich gleich nach dem demokratischen Aufbruch als erster Autorenverein der neuen Bundesländer zusammenfand – die Freie Literaturgesellschaft Leipzig. Den Ausrichtern eines so repräsentativen Programms wünsche ich von Herzen ein zahlreiches Publikum und Freude bei allen Veranstaltungen!
Dr. Matthias Rößler
Präsident des Landtags des Freistaates Sachsen
„20. Literaturfrühling in den Landesfarben“
Die Farben Grün und Weiß dominieren im sächsischen Landeswappen. Auch der 20. Sächsische Literaturfrühling, der vom 4. Mai bis zum 1. Juni 2011 sein Publikum ruft,
wählt Grün als hoffnungsvolles Zeichen des Sieges über die DDR-Zensur. Weiß steht für die Unschuld, mit der das Dichterross versucht, die Narrenschellen abzustreifen,
die ihm seit alters her der Markt aufzwingt. Daraus erklärt sich das diesjährige Motto: „Der entfesselte Pegasus – Literatur trotz(t) Markt“.
Vor gut 20 Jahren wurde mit den Frühlingsmachern, dem Förderkreis „Freie Literaturgesellschaft“ (jetzt: Freie Literaturgesellschaft Leipzig) der erste demokratische Schriftstellerverein in den fünf neuen Bundesländern gegründet. Diese damals so mutigen und heute noch lange nicht müden Schriftsteller, die zu ihnen gestoßenen jungen Autoren und ein anreisender Freundeskreis gleich gesinnter Literaten tummeln sich, solo oder von Musik, Film oder Ausstellung begleitet, in 46 Veranstaltungen an 10 sächsischen Orten zur Freude des lesenden Publikums. Vor allem dank der Unterstützung der freistaatlichen Regierung und des Landtagspräsidenten Matthias Rößler – Schirmherr des Frühlings – wird für Normalbürger und Obdachlose, für flippige Jugend und geschmäcklerische Senioren, sowie für Hunderte lesefreudige Kinder literarische Kost geboten.
Hoch oben im Völkerschlachtdenkmal erklingen lyrische und Saxofon-Klänge, und am Dölitzer Förderschacht suchen die Dichter nach der blauen Blume. Erich Loest, wichtiger Berater in den Gründerjahren, liest zu Beginn im Zeitgeschichtlichen Forum. Die Leipziger Stadtbibliothek öffnet ihr Interim für den Retter der Bücher Dieter Mucke. Am klassischen Jugendszeneort naTo stellt Josef Haslinger seinen neuen Film übers fröhlich harte Wiener Dissidentenleben vor. Spannend soll es im jungen Dresdner Literaturforum, auf Schloss Moritzburg oder während der Ostdeutschen Krimitage in Zwickau zugehen. Einige Buchpremieren, wie die von Manfred Jendryschik, Victor Kalinke und Utz Rachowski machen neugierig. Zu Frühlingsende gibt es gleich mehrere literarische Kinderfeste.
Die manchem vielleicht banal scheinende Botschaft der Veranstalter heißt: In Sachsen leben und schreiben Autoren! Sie bedienen sich einer Palette, deren Farbenvielfalt hohen literarischen Ansprüchen stand hält.
Steffen Mohr,
Schriftsteller und Vorsitzender der
Freien Literaturgesellschaft Leipzig, e.V.